KTV Alt Ravensberg ist Oberliga-Vizemeister

Die ganze Woche über hatten die Trainer aus Steinhagen und Rheda miteinander telefonieren müssen. Bedingt durch Krankheit, Verletzungen und Studium konnte sich nur eine der sieben Turnerinnen der KTV Alt Ravensberg optimal auf das Oberligafinale im münsterländischen Stadtlohn vorbereiten. Bei den anderen stand Mitte der Woche noch gar nicht fest, ob sie überhaupt würden starten können. Man entschloss sich, neben der USA-Rückkehrerin Ina Lange keine weitere Turnerin nachzunominieren, sondern auf die Stärke, den Einsatzwillen und den Teamgeist der bewehrten Schützlinge zu vertrauen.

Da zuvor in der Halle noch das Verbandsligafinale und ein Regionalligawettkampf stattfanden, startete der Finalwettkampf der Oberliga zu ungewohnt später Stunde. Dennoch erwischte das von Jenny von Bobart und Kirsi Rohmeier betreute Team einen Traumstart am Stufenbarren. Nach tollen Übungen von Madeleine Güth und Gerrit Nissen turnte Ina Lange scheinbar mit Leichtigkeit eine der schwierigsten Stufenbarrenübungen des Wettkampfs und setzte mit 12,65 Punkten das i-Tüpfelchen auf das überragende Stufenbarrenergebnis. Auch am Schwebebalken zeigte die Studentin keinerlei Schwächen und bereitete ihren Mannschaftskolleginnen einen sicheren Start. Daran konnte Lisa Gründling, die nach Krankheit gerade rechtzeitig fit geworden war, direkt anknüpfen. Die Sechzehnjährige leistete sich nur einen Wackler, turnte ansonsten aber sehr souverän auf dem 10cm schmalen „Zittergerät“. Leider gelang es dann weder Jana Terhechte noch Gerrit Nissen, eine hohe dritte Wertung zum Mannschafts-Balkenergebnis beizufügen. Es war schon halb neun, als das Team zum Boden wechselte. Hier startete Elena Seifert mit Vorwärtsschraube und schwierigen gymnastischen Verbindungen. Mit 13,35 Punkten konnte sie die höchste Wertung dem Mannschaftkonto beisteuern. Auch Jana Terhechte punktete mit 12,90 hoch. Lara-Marie Schimmel, ebenso von Krankheit geradeso genesen, zeigte schöne gymnastische Sprünge und erhielt 11,65 Punkte. Pech hatte Madeleine Güth, die trotz Fußverletzung ihre schwierige Übung nicht reduzierte, sondern für ihre Mannschaft auf die Zähne biss. Nach tollem Übungsbeginn stürzte sie ausgerechnet beim letzten Schraubensalto. Dennoch trug sie mit 11,90 Punkten zum zweitbesten Bodenergebnis aller Mannschaft bei. Mit schmerzverzerrtem Gesicht verließ sie die Bodenmatte. Anschließend stellte sie sich aber abermals in den Dienst der Mannschaft und turnte einen grandiosen Handstützüberschlag am Sprungtisch, für den sie eine der höchsten Tageswertungen bekam. Jana Terhechte und Elena Seifert komplettierten ein zufriedenstellendes Sprungergebnis.

Vor den Leistungen ihrer Schützlinge kann Trainerin Kirsi Rohmeier nur den Hut ziehen: „Teilweise ging es vor allem darum, zweitweise Schmerzen auszublenden und den Fokus allein auf die Präsentation der Übung zu legen. Das ist den Mädchen grandios gelungen. Alle haben einen vorbildhaften Kampfgeist bewiesen.“

Die Siegerehrung sollte wieder einmal besonders spannend sein, denn Ligavorsitzende Christina Bröker gab die erturnten Platzierungen von hinten nach vorne bekannt. Von Rang zu Rang staunte das KTV-Team mehr, dass es immer noch nicht aufgerufen wurde. Aufgrund der vielen Verletzungen und Trainingsrückständen völlig unerwartet platzierte es sich als drittbeste Mannschaft. Im Gesamtklassement (nach drei Wettkämpfen) bedeutete das: Oberliga-Vizemeister!!!

„Es freut uns so sehr, dass ihr heute für euren unglaublichen Kampf- und Teamgeist so belohnt wurdet!“, jubelten die beiden Trainerinnen ihren Schützlingen zu. Besser hätte es nicht laufen können.

Quasi schon abgestiegen war die zweite Garde der KTV Alt Ravensberg, die in der Verbandsliga startete. Emily Poggenklas und Rieke Nissen konnten aufgrund einer Klassenfahrt ihr Team diesmal leider nicht unterstützen. Die Trainer meldeten somit Lisa Rudorf nach. Beginnend am Balken setze Lisa Hansmann mit der zweitbesten Tageswertung direkt ein Ausrufezeichen. Pia Niehaus, Fiona Mennen und Carmen Johannhardt zeigten sich ebenfalls sehr souverän auf dem Zittergerät. Am Boden zündete das Team, das von Andrea und Petra Beckstett betreut wurde, ein wahres Feuerwerk. Lisa Hansmann als Beste (13,4) und Pia Niehaus (13,25) als Zweitbeste sowie Carmen Johannhardt (12,75) sorgten dafür, dass das Team allen Konkurrenten am Boden einen Punkt abnahm. Auch am Sprung konnte das Sextett überzeugen. Erwies sich der Stufenbarren bei den letzten Wettkämpfen immer als Stolperstein, krönte er diesmal einen wundervollen Wettkampf. Pia Niehaus (11,75), Hannah Strotmann (11,05) und Lisa Rudorf (10,80) bewiesen, wie gut sie sich an diesem Gerät weiterentwickelt haben.

Überschwängliche Freude dann bei der Siegerehrung: Nach Platz 8 beim Saisonstart und Platz 5 beim 2. Wettkampf, wurde die KTV Alt Ravensberg beim Finale Tagessieger und ergatterte dadurch 8 Wettkampfpunkte. Diese katapultierten das Team auf Rang vier im Gesamtklassement. Aufgrund einer Ausnahmereglung (die NRW-Liga wurde aufgelöst) bleiben in dieser Saison die Mannschaften auf den Plätzen eins bis vier in der Verbandsliga, die Plätze fünf bis acht steigen in die Landesliga 1 ab. Der sonst so undankbare vierte Platz war für die KTV Alt Ravensberg diesmal also ein wahrer Glücksfall. „Wahnsinn“, fasste Trainerin Petra Beckstett dieses nicht in den kühnsten Träumen erwartete Ergebnis zusammen.